Gerichtliche Rückforderungen bei Pokerstars.eu: Neue Urteile aus Köln und Bonn
Greta Simon · Aug 17, 2026

Gerichtliche Rückforderungen bei Pokerstars.eu: Neue Urteile aus Köln und Bonn

Mehrere deutsche Gerichte haben Betreiber TSG Interactive Gaming Europe Ltd. zur Rückzahlung von Spielverlusten auf Pokerstars.eu verpflichtet und dabei Beträge in Höhe von rund 63.000 Euro, 50.000 Euro sowie 15.500 Euro in getrennten Verfahren festgesetzt. Das Oberlandesgericht Köln, das Landgericht Bonn und das Landgericht Köln stellten fest, dass die Angebote gegen den Glücksspielstaatsvertrag verstoßen und die zugrunde liegenden Verträge daher unwirksam sind. Die Entscheidungen betreffen Spieleinsätze, die vor und nach der Reform im Juli 2021 getätigt wurden, und beziehen sich ausdrücklich auf Nutzer mit Wohnsitz in Deutschland, die grenzüberschreitend auf die Plattform zugegriffen haben.
Einzelheiten der drei Verfahren
Im ersten Fall vor dem Oberlandesgericht Köln ging es um Verluste von etwa 63.000 Euro, während das Landgericht Bonn eine Summe von 50.000 Euro und das Landgericht Köln einen Betrag von 15.500 Euro zusprach. Die Richter prüften jeweils, ob die Verträge zwischen Spielern und dem maltesischen Betreiber unter das damalige Verbot des Glücksspielstaatsvertrags fielen. Da Pokerstars.eu zum Zeitpunkt der Einsätze weder über eine deutsche Lizenz verfügte noch den Anforderungen der Übergangsregelungen entsprach, erklärten die Gerichte die Vereinbarungen für nichtig und ordneten die Erstattung der Nettoverluste an. Die Urteile berücksichtigen auch, dass die Plattform von deutschen IP-Adressen aus erreichbar blieb und damit aktiv grenzüberschreitende Teilnahme ermöglichte.
Rechtliche Grundlage im Glücksspielstaatsvertrag
Der Glücksspielstaatsvertrag untersagte bis Juli 2021 private Online-Glücksspielangebote ohne staatliche Konzession und verlangte anschließend eine Lizenzierung durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder. Die Gerichte stellten fest, dass TSG Interactive Gaming Europe Ltd. diese Vorgaben nicht erfüllte und daher keine wirksamen Verträge mit deutschen Spielern abschließen konnte. Die Nichtigkeit der Verträge ergibt sich direkt aus dem Verstoß gegen öffentlich-rechtliche Verbote, wodurch die Spieler Anspruch auf Rückzahlung ihrer Einsätze abzüglich etwaiger Auszahlungen haben. Die Entscheidungen bestätigen damit eine Linie, die bereits in früheren Instanzen zu ähnlichen Plattformen vertreten wurde.
Grundlegende Aspekte grenzüberschreitender Teilnahme
Die Urteile behandeln ausdrücklich die Situation, dass Spieler aus Deutschland auf eine in Malta lizenzierte Plattform zugreifen. Die Gerichte sahen darin keinen Hinderungsgrund für die Anwendung deutschen Rechts, da die Verträge auf deutschem Staatsgebiet erfüllt wurden und die Spieler ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hatten. TSG Interactive Gaming Europe Ltd. wurde daher nach deutschem Zivilrecht zur Rückerstattung verpflichtet, ohne dass die maltesische Lizenz eine abweichende Bewertung rechtfertigte. Diese Klarstellung betrifft alle vergleichbaren Angebote, die vor der vollständigen Umsetzung des neuen Lizenzsystems aktiv waren.

Aktueller Stand und weitere Entwicklungen bis August 2026
Bis August 2026 liegen keine abweichenden höchstrichterlichen Entscheidungen vor, die die hier dargestellten Urteile aufheben oder einschränken würden. Die betroffenen Spieler haben die zugesprochenen Beträge erhalten oder befinden sich in der Vollstreckungsphase. Weitere Klagen mit vergleichbarem Sachverhalt sind bei verschiedenen Landgerichten anhängig, wobei die bisherigen Entscheidungen als Orientierung dienen. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat die Urteile zur Kenntnis genommen und in ihren Berichten zur Durchsetzung des Staatsvertrags erwähnt.
Die Verfahren zeigen, dass Gerichte bei fehlender Lizenzierung konsequent die zivilrechtlichen Folgen ziehen und Spielern die Möglichkeit eröffnen, Nettoverluste geltend zu machen. Betreiber ohne deutsche Erlaubnis sehen sich damit einer wachsenden Zahl von Rückforderungsansprüchen gegenüber, die sich auf die gleichen rechtlichen Grundlagen stützen. Die Dokumentation der Einsätze über Kontoauszüge und Transaktionsnachweise spielt dabei eine zentrale Rolle für die Durchsetzung.
Fazit
Die Urteile des Oberlandesgerichts Köln, des Landgerichts Bonn und des Landgerichts Köln haben für Spieler, die vor und nach Juli 2021 auf Pokerstars.eu Einsätze getätigt haben, verbindliche Rückerstattungsansprüche geschaffen. Die Entscheidungen beruhen auf der Feststellung, dass die Angebote gegen den Glücksspielstaatsvertrag verstießen und die Verträge daher unwirksam sind. Sie gelten sowohl für reine Online-Pokerangebote als auch für die damit verbundenen grenzüberschreitenden Nutzungsmöglichkeiten aus Deutschland. Weitere Verfahren mit ähnlichem Hintergrund bleiben abzuwarten, doch die bisherigen Ergebnisse liefern eine klare rechtliche Orientierung für vergleichbare Fälle. Weitere Informationen zu den Verfahren sind über öffentliche Gerichtsmitteilungen zugänglich.